Im Social Media-Wald

Im Social Media-Wald

Die Welt ist ein Dorf. Und Social Media ist eine Straße. Wir können sie meiden, weil sie uns bedrohlich vorkommt. Oder wir wagen uns dorthin und nutzen die Chancen, die sie uns bietet.

Schon lange ist die Zeit vorbei, in der wir das Internet wie Fernsehen oder Zeitung konsumierten, aufnahmen, was dort zu sehen war, ohne ein Feedback zu geben, ohne etwas von uns selber preis zu geben. Es gibt kaum noch Websites, die nicht die Möglichkeit zum kommentieren, liken, teilen gibt. Viele Firmen haben zwar keine unmittelbare Feedback-Möglichkeit auf ihren Firmenseiten, sind aber bei Facebook, Google+ & Co vertreten und kommunizieren dort mehr oder weniger direkt mit ihren Kunden, Partnern, Fans. Die meisten journalistisch geführten Portale oder auch private Blogs bieten Kommentarmöglichkeiten an. Und der Datenstrom fließt nahezu unendlich in den Sozialen Netzen: Hier werden Links geteilt und kommentiert, die eigenen Meinung kund getan, Bilder gezeigt. Ein riesiges Wohnzimmer, möchte man manchmal meinen.

Dabei fing das vor ein paar Jahren mit StudiVZ doch recht harmlos an: Studiengruppen, die sich online organisieren und verabreden, manchmal sogar gemeinsam lernen konnten. Das war der ursprüngliche Gedanke, mit dem ich meinem ersten Social Network beigetreten bin. Dort hatte ich eine Handvoll, zumeist auch im realen Leben unmittelbare, Kontakte. Dann kamen die ersten Einladungen zu Facebook und MySpace. Was soll ich da? fragte ich mich. Und doch: Irgendeine der damaligen Einladungsmails nahm ich Anfang 2011 doch an (und ärgere mich bis heute darüber, mich mit DIESER Mailadresse einloggen zu müssen). Ich stellte fest, dass hier ganz andere Leute unterwegs waren als bei StudiVZ. Und das viele Kontakte merkwürdige Pseudonyme nutzen – aber wenn man sich vernetzen will, muss man doch auch auffindbar sei? Oder nicht? Das ist so eine Sache mit den Daten. Bevor ich bei Facebook das erste Bild einstellte oder irgendeine Frage beantwortete, hatte ich bereits die Privatsphäreeinstellungen durchgearbeitet. Wer darf mich finden? Alle, aber nur über Facebook – nicht mit Suchmaschinen. Wer darf meine Posts lesen? Nur Freunde. Willst du, dass dein Profil anderen aus deiner Gegend vorgeschlagen wird? NEIN. Man kann eine ganze Menge einstellen…!

Ich habe über Facebook einige alte, eingeschlafene Bekanntschaften wieder auffrischen können und lose Kontakte konnten sich zu Freundschaften entwickeln, weil über den Messenger eine weitaus lockerere Unterhaltung als via Mail zustande kommen konnte. Und dennoch: Facebook blieb immer mein Netzwerk für Kontakte, die ich wirklich kenne! Und war – nach dem schleichenden Tod von StudiVZ – auch lange das einzige. Ich erkannte, wie lange man sich dort aufhält, wie wenig Zeit für anderes blieb. Und mit den Social Media-Accounts ist es doch wie mit Websites: Wenn man sie nicht pflegt, sterben sie. Also konzentrierte ich mich auf eines.

Doch irgendwann entdeckte ich meinen Twitter-Account wieder (den hatte ich schon vor Facebook – allerdings nur zum Lesen und lange vergessen) und stellte auch fest, dass die mal zu was anderem genutzten Logins bei Google und YouTube nun einen Social Media-Account bildeten. Irgendwie war ich da gar nicht gefragt worden…? Ich fing an, mich auch mit diesen beiden Netzwerken zu beschäftigen und machte die Erfahrung, dass die Streams dort mich viel mehr interessierten als die Katzenbilder und Webfail-Posts bei Facebook. Könnte das daran liegen, dass meine „Friends“ bei Facebook lauter Bekannte aus allen Phasen meines Lebens sind, während ich bei G+ und Twitter Menschen mit gleichen beruflichen Interessen folge? Gerade Twitter ist das absolute Gegenteil meines Facebook-Netzwerks. Ganz viele Leute, die ich nicht kenne, über die ich auch nicht viel herausfinden kann, weil die Profile sehr minimalistisch sind. Ich wähle auch hier und klicke nicht willkürlich auf „Folgen“ – meine Auswahl orientiert sich dabei an dem Kurzprofil sowie Qualität und Aktualität der letzten Posts.

Mittlerweile bin ich am liebsten auf Twitter. Auch weil ich hier meine eigenen Fundstücke als Links mit kurzen Begleitsätzen weitergeben kann. Entweder fallen sie jemandem auf, der sie teilt, liked oder kommentiert – oder auch nicht. Mein tägliches Lesen der Nachrichten ist wesentlich wählerischer, wenn ich dabei entscheide, ob ich es in den Buffer haue und teile – oder ob es doch irrelevant ist. Und Buffer twittert dann in meinem Namen über den Tag verteilt meine Tweets – wie praktisch!

Auch Xing und Google+ habe ich als Möglichkeit der Selbstvorstellung und Kontaktpflege entdeckt, wobei mir Googles Alternative zu Facebook wirklich sehr gut gefällt: Der optisch sehr aufgeräumte Stream erlaubt das gezielte Einbinden von Medien, unterstützt Hashtags und Auszeichnungen und wirkt dabei trotzdem wesentlich strukturierter als der Bauchladen Facebook. Leider spielt G+ in meinem Bekanntenkreis (noch) keine große Rolle. Vielleicht wird sich das ja mit zunehmender Wichtigkeit des Netzwerks für Unternehmen (Stichwort: SEO und Google local) ändern? Denn mit einer Unternehmensseite muss man schließlich auch ein eigenes Profil haben. Tun viele sicher auch ohne es zu wissen – YouTube & Co lassen grüßen!

So sind in der Straße „Social Media“ viele verschiedene Läden, die sich zu besuchen lohnen können und die ganz unterschiedliche Produkte anbieten. Ausprobieren lohnt sich!